Dienstag mit Gladiolus Cruentus

Klirrende Kälte. Öffne das Fenster zur Straße. Schnee auf Autodächern.

Das zwölfte Kapitel im Ulysses mit seinen Parolen und antisemitischen Ausfällen, fällt mir schwer. Joyce gibt den Sound der Zeit wieder. Kneipenszene.

Folge ich den Verweisen akribisch, lande ich plötzlich bei den Römern und Etruskern. Einer Gladiole wegen.

Egal wo ich beginne, Nahostkonflikt, Ästhetik des Widerstands, Joyce- überall zeigt sich, dass ich nicht viel weiß. Zusammenhänge erschließen sich nicht. Wenn sie das sollen muss ich nacharbeiten, mir Geschichtswissen aneignen. Der Besuch der Uni als Gaststudentin- nicht möglich. Der Schichtdienst steht der Kontinuität entgegen.

Gespräch mit S., auf einer langen Autofahrt, über die Weimarer Republik. Erklärs mir noch einmal, sage ich an manchen Stellen.

Mein Vater hat die Schule nur bis zur sechsten Klasse besucht. Ich weiß nicht, wie es ihm gelang, sich solch ein umfassendes Wissen in Geschichte, Politik, Philosophie, Literatur und Musik anzueignen. Er war Handwerker. Schrieb seiner Gattin mal für die Uni eine Hausarbeit in Philosophie. Der Dozent beglückwünschte meine Mutter zu dieser außerordentlichen Leistung. Bitte widerholen sie das.

Und sonst?

Diesen Film gesehen.