Samstag mit besonders

Die Sache ist doch die, ja du bist ein besonderes Hochlandrind. Du bist einzigartig.und für mich bist du es sowieso. Nicht weil dein Fell glänzender ist oder du bedeutende andere Hochlandrinder kennst. Ich mag dich , weil du bist wie du bist.

All die anderen Hochlandrindern sind auch besonders, jedes für sich, das muss man sehen können.

Nee sagte das Hochlandrind ich bin besonders besonders.

Es stand auf der neuen Weide. Probegrasen.

Und sonst? Bräunig ist wieder aufgetaucht. Er befindet sich noch immer an dem sicheren Ort. Am Dienstag darf ich ihn abholen. Danke Alexander Carmele fürs Überbrücken!

Habe ein arbeitsreiches Wochenende vor mir auf neuen Weiden ( sozusagen) und bin gespannt wo es mich hinführt.

Lesen ist im Moment nur sporadisch möglich. Aber Hannah Arendts Vita activa passt gut.

Bedeckter Himmel.

Donnerstag mit Chroniken eines Hochlandrindes

Chroniken vom Hochlandrind sollen das nicht werden, jedenfalls nicht ausschließlich.

Jedoch: das Hochlandrind sendet widersprüchliche Botschaften, irritierte mich damit.

Eines Tages legte es sich in die Sonne. Ich bin müde, sagte es. Meine Hufe Schmerzen.

ich machte mir Sorgen, beschloss den Tierarzt zu holen.

Immer ist das Geld ist knapp.

Ich hütete zusätzlich eine Horde Schafe um den Tierarzt bezahlen zu können. Es gab kein Wochenende mehr.

Kein Kaffee mehr Samstags im Bett, keine langen Lesestunden, stattdessen zog ich über fremde Weiden und achtete darauf dass mir kein Schaf verloren ging.

Auch ich war müde.

Der Tierarzt kam, als ich das Geld zusammen hatte. Er kam abends, weil er nachmittags verhindert gewesen war. Nie hatte ich die Weide des Hochlandrindes abends aufgesucht.

Wir waren erstaunt, welcher Anblick sich bot. In wilden Sprüngen tobte und sprang das Hochlandrind über die Weide. Keine Spur von schlechten Gewissen. Habt ihr meine tollen Sprünge gesehen fragte es.

Ich gab dem Tierarzt das Geld. Vielleicht sollten sie morgens wiederkommen sagte ich.

Morgens ist es immer besonders schlimm.

So blieb es. Abends bocksbeinige Freudentänze im Abendrot, morgens matt, krank, verzweifelt.

Die Frage wie mit dem Wesen weiter umzugehen sei blieb.

Vielleicht hat ja jemand von euch da draussen eine Idee. Ich bin wirklich hilflos.

Mittwoch mit Begutachtung neuer Weiden

Heute morgen, auf dem Weg zur Arbeit, habe ich das Hochlandrind gesehen.

Es stand vor einer neuen Weide und hielt neugierig die Nüstern in den Wind.

Ich sah, es hatte sein Fell gebürstet und in den Augen war ein neuer Glanz. Es wurde beäugt von zwei anderen Hochlandrindern. Sie schienen miteinander auszukommen. Das Hochlandrind ist ein besonderes Hochlandrind und kann , wenn es will charmant sein.

Und fragte ich später?

Ich darf sie besuchen, sagte es. Du hattest Recht mit den blühenden Landschaften. Das Gras sah gut aus. Vielleicht wird es die neue Weide.

Es freute mich, das Rind mit dem Glanz in den Augen zu sehen. Die Gewohnheit hatten sie stumpf aussehen lassen, jetzt aber konnte man die Weite der Steppe erahnen.

Immer noch Dienstag mit Hochlandrind und Ariadnefaden

Man hatte es dem Hochlandrind angesehen, es fühlte sich nicht gut.

Unfrei, sagte es und kaute traurig auf den verbliebenen Grasspitzen.

Und müde. Unendlich müde.

Das Hochlandrind hatte gar nicht gehen können, weil ein Riegel am Tor war. Mit Code: 030522

Ich- die nie Riegel vor Toren akzeptierte, hatte. Der Code ist 030522 flüsterte ich ihm zu. Langsam öffnete sich das Gatter.

In den aufkommenden Wind rief ich ihm hinterher.

„Hej, was wird jetzt aus meinem Pullover? Ich wollte mir aus deinem Fell Wollfäden spinnen, einen als Ariadnefaden um den Weg zu finden, drei für den Pullover als Schutz vor rauen Winden.“

Das Hochlandrind sah müde auf, trottete dann wortlos durch das geöffnete Tor. Ich war nicht ärgerlich nur müde. Es war nicht ärgerlich, nur müde. Freiheit kann müde machen, das ist ihr Preis. Manchmal.

Aber Unfreiheit macht immer müde. Wirklich immer.

Dienstag mit lost

Bräunig ist weg. Besser gesagt der „Rummelplatz“. Er verließ mich an einem besonderen Ort.

Einen Ort den man nicht ohne weiteres betreten darf.

„Was willst du dort?“, fragte ich. „Der Platz hat mir der Wismut soviel gemein wie ..“

Mir fiel kein Vergleich ein. Vielleicht war es, weil ich die Stelle mit der Gleichberechtigung angestrichen hatte.

Und er wollte sich vielleicht selbst ein Bild machen.

Und sonst? : Ein Gespräch über Ungleichbehandlung von Flüchtlingen nach Herkunftsgebiet.

Sonne. Erster Gassigang mit Linda.

Der Flieder blüht.

Terminreiche Woche. Ein Hauch

Veränderung liegt in der Luft

Zuggespräche Erinnerung

Es sei seltsam sage sie, aber das Gehen sei ihr immer leichter gefallen als das Bleiben.

Bleiben bedeutete Arbeit, loslassen Freiheit, eine trotzige Unabhängigkeit der sie bereitwillig vieles opferte.

Abschied als Fest.

Nur mit den Kindern sei es anders, da war das Bleiben alternativlos, eine alles überflutende Liebe von Beginn an.

Und darüber hinaus , Verbot sie sich Abschiede nur dann, wenn sie sicher sei

Sich Abschiede verbieten müssen. Sie lacht.

Festhalten, das erfordert Arbeit, sagt sie. Gegen den Minimalismus arbeiten.

Lesenotiz Rummelplatz/Werner Bräunig

„und Glück gehabt, sofern man da von Glück reden kann, denn als er nach Hause kam, war nichts, nichts mehr da.

Das stand in seinen Gedichten, immer wieder, und Eiswind strich über die belorussischen Steppen, über die ukrainische Schwarzerde, über die schneeverwehten Karrenwege Nirdrumaniens, der Hunger hockte in den Tälern der Beskiden, gefrorenes Brot, eine Maschinenpistolenfarbe von irgendwo, und der beißende Frost in den Wundrändern; für Demmler war in diesem Krieg immer Winter gewesen.

Es gab nur noch diese abendländische Ruinenlandschaft, durch die der Mensch irrt, allein, abgeschnitten von allen überkommenen Bindungen, …“

Immer noch Sonntag mit Hunden und Katzen

Kannst du nach den Tieren sehen?

Wir haben einen spontanen Einsatz.

Ja , sage ich, Brauch nur eine Minute im mich zu sortieren. Ich stehe auf, der Traum noch in mir

Das Rudel empfängt mich mit ausgelassener Freude.

Sonne im Garten, ich in der Hängematte mit Kaffe, der Mai beginnt friedlich.

Ein Urteil wird gesprochen werden in diesem Monat, ich verdränge es. Noch 15 Tage.

Mai

Lese in Alexander Carmeles Blog die Rezension zur Vita activa von Hannah Arendt. Das wird das Maibuch.

Eine Streunerkatze liegt auf meinem Schoß, Kirchenglocken rufen, eine Amsel singt.

Sonntag mit Traum von Fremdwohnen

Die Nacht war kalt. Es nieselte. Die Kinder fanden keinen Schlaf. Ich bedeutete ihnen leise zu

sein, Wir schlichen ins Treppenhaus. Kalter Terazzoboden, Plattenbau. Man ging schlafen in den Familienwohnungen..

Die Nacht kam mit Stille. Ich öffnete leise die Tür zur fremden Wohnung. Ein freies Zimmer, ein freies Bett. Wir schliefen traumlos.

Am Morgen schlich ich müde zur fremden Dusche und traf auf die irritierte Frau des Hauses.

Es tut mir leid, die Nacht war kalt, das Treppenhaus ging auch nicht. Wir haben nichts genommen , nur geschlafen. Sie verstand, brachte Kaffee, draussen wartete ein Reisebus.

Ein Anruf riss mich aus dem Tiefschlaf.