Pfingstmontag mit Max Frisch und Alice

In Ermangelung von Sloterdijk, den ich irgendwohin verlegt habe, lese ich Max Frisch. Wahrscheinlich kann man die Beiden nicht miteinander vergleichen, aber Frischs Stil ist ebenso klar, kühl und treffsicher.

Ein fremdes Tagebuch. Alice, die junge Geliebte Max Frischs, erzählt begeistert von einem Co Counselling Workshop. Emotionen raus-lassen und annehmen. Kollateralschäden gab es: eine verletzte Wirbelsäule, ein Beinbruch. Beides hatte Job-Verlust und hohe Krankenhaus-Kosten zur Folge. Frisch reagiert mit Unverständnis. Ein narzisstischer Workshop, bei dem keiner der Beteiligten auf die Idee kommt, Folgegeschädigte finanziell durch Spenden zu unterstützen. Alice reagiert ebenso pikiert aber in gegensätzlicher Richtung. Es sei doch kein Workshop für Solidarität gewesen. Sie wirbt weiter Teilnehmer.

Und sonst: ich ziehe die Bettwäsche ab. Früher mochte ich das Ankommen ebenso wie das Ablegen. Das Eine, das in Besitz nehmen, das Andere beinhaltet den Reiz des Spuren verwischens. Ich gebe das Haus sich selbst zurück. Erinnerungen an diese unstete Zeit. Reisen durch Paris, Genua, Venedig, Kephalonia, Bukarest, Deva. Jede zweite Nacht im Nachtzug unterwegs irgendwohin. Sommer 1990 mit dem Versuch alle nicht erlebten Reisen nachzuholen.

Nicht erfüllt haben sich: Nicaragua, New York, Buenos Aires.

Später am Tag lasse ich Pfingstvögel aus Schafwolle fliegen während ich “ Please don’t let me be misunderstood“ von Joe Cocker höre.

Erinnere mich, ebenfalls bei Max Frisch, in Montauk, das Zupfen von Schafwolle für das Fertigen von Figuren, gefunden zu haben.