Dienstag mit Erherzog Rudolf und Adoption

Zurück bei der Recherche. Als würde man alte liebgewonnene Bekannte wiedertreffen.

Es ist vier Uhr morgens. Der Körper behauptet ausgeschlafen zu sein.

Achselzuckend aufgestanden, Espresso gekocht, Milch aufgeschäunt. Mit dem Gebräu zurück zu den Verdurins gegangen. Cotard ist da, Swann ist da und der Bildhauer Vitadobetski auch. Stargast des Abends aber ist eine namenlose vornehme Fürstin russischer Herkunft von der gemunkelt wird, sie habe aus nächster Nähe auf Erherzog Rudolf geschossen.

Ich recherchiere im Internet, dass das Ereignis des Todes von Erherzog R. eher als erweiterten Selbstmord bezeichnet.

Verschwörungstheorien inklusive.

Verdurins servieren auf edlem Geschirr: Kalbsschnitzel Gänseleber und einen Glattbutt, der mit einer weißen Sauce, die mit Butter zu fünf Franc das Pfund zubereitet wurde. Weiterhin Langusten mit rauh gekornter Oberfläche und Kartoffelsalat aus festkochenden Kartoffeln.

Ich bemerke, dass ich solche Dinge nicht mehr essen kann ohne einen moralischen Disput in meinen Gedanken auszufechten.

Und sonst? : Noch vier Tage Bewegungsdiät. Fensterbrett mit Ausblick.

Ab Samstag beginnt das Erüben langer Spaziergänge. 2, 2, 2 so formulierte es die Instandsetzerin. Am Ende der letzten 2 sollte der Normalzustand erreicht sein.

In einer Kaffeerösterei Espressobohnen gekauft. Ein kleines Mädchen am Tresen flüstert der Bedienung zu: ich möchte, dass du mich adoptierst.

Das geht nicht, sagt sie.

Gut dann adoptiere ich dich. Warte ich frage noch schnell meine Eltern.

Die Kleine macht sich umgehend auf den Weg zur Herkunftsfamilie.

Diese sind Gäste im Cafe.

Die Bedienung versucht sich mit verzweifelten Gebärden gegenüber den irritiert schauenden Eltern verständlich zu machen.