Proust lesen Tag 86-Guermantes-Salon Villeparisis

Proust: Salongeplauder weiterhin, auch Hüte scheinen eine wichtige Rolle zu spielen. Bloch ist zwar immer noch unsympathisch, aber dass er sich keine Ungeschicklichkeit verzeiht und sich für einen Moment vornimmt nie wieder in Gesellschaft zu gehen, lässt mich fast etwas mitleiden. Zudem bezieht er die Bemerkung eines Gastes ( zu Madame de Guermantes) auf sich: Feenfinger. Er glaubt der Gast mache sich über die versehentlich zerbrochene Vase lustig. Norpois taucht auch wieder auf. Über die Geliebte Saint Loups wird sich das Maul zerrissen. Und Marcel beginnt kurz, die von ihm vergötterte Madame de Guermantes in einem anderen Licht zu sehen, er betitelt sie in Gedanken als dumme Pute und fragt sich warum er Tag für Tag kilometerlang lief um ihr auf  seinen Spaziergängen zu begegnen. Die  Damenwelt ist cool, fast abgebrüht, jedenfalls immer berechnend und selten emotional, die Männer hingegen sind oft neurotisch, empfindsam, empfindlich. Interessant.

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Was für ein Wetter. Platzregen, Gewitter, Temperatursturz.

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Ein schöner, ruhiger Tag mit Gewitter und viel Regen.

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Proust lesen Tag 85-Guermantes-Salon der Madame Villeparisis

Proust: Es muss möglich sein Proust im Alltag zu lesen! 

Im Salon der Madame Villeparisis wird sich nichts geschenkt. Boshafte Wortgefechte, süffisante Bemerkungen. Man „legt sich platt auf den Bauch vor lauter Ergebenheit“ gemessene Damen die sehr gerade auf ihren Stühlen sitzen, waren noch vor zwei Jahrzehnten für ihr skandalöses Benehmen bekannt, sammelten Männer wie das Licht die Motten, nun sitzen sie mit zusammengekniffenem Mund, kerzengerade. Ein Sinnbild von Tugendhaftigkeit und Anstand.

Gesellschaftssatire pur, amüsant.

Kiel/Heidkate

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Endlich Kühle, etwa  zwanzig Grad. Nach einem langen Arbeitstag, der erst gegen 18.00 Uhr endete, las ich Proust und fuhr dann nach Heidkate.  Ich imaginiere mich: morgens mit einem Becher dampfenden Kaffee vor dem Dachzelt sitzend, mit Blick auf das Meer.

Ein Gefühl von Weite und Freiheit.

Proustlesen Tag 84-Guermantes

Proust: das gesellschaftliche Kaleidoskop ist gerade in einer Drehung begriffen, die Dreyfus Affäre befördert Juden auf die unterste Sprosse der gesellschaftlichen Leiter.

Bloch taucht wieder auf, er ist nun angehender Bühnenautor und trägt am Kinn einen kleinen kommaförmigen Ziegenbart.

Heidkate:

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Gewitterstimmung. Die Kitesurfer fliegen. Ubu will helfen. Auf der Rückfahrt erste Regentropfen, die Natur (und wir) atmen spürbar auf.

Proust lesen Tag 79-Guermantes-Telefonfräulein

Proust:

Telefonfräulein: „wachsame Jungfrauen, deren Stimme wir täglich hören, ohne je ihr Gesicht zu kennen, und die unsere Schutzengel in jenem schwindelerregenden Dunkel sind, über dessen Pforten sie eifersüchtig wachen.“

Das Telefon eine neue Errungenschaft mit Stolperfallen. Da beginnt das Stück Holz( Telefonhörer) zu reden, es schwatzt vor sich hin ohne einen Empfänger zu haben. Oder aber: Marcel wird ans Telefon geholt, er erwartet seine Großmutter und erschrickt vor der fremden Stimme mit dem fremden Akzent, eine Verwechslung.

Diese Neuerung macht Angst, Stimme ohne Gesicht, Mimik und Gestik, mit Telefondanaiden die dazwischen reden.

Rückkehr nach Guermantes: nachdem die Großmutter ihrem Wunsch Ausdruck verliehen hat, er möge doch noch weiter in Doncieres bleiben, sie hätte den Eindruck es ginge ihm dort gut, beschließt Marcel seine Abreise.

Kiel/Krusendorf

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Proust lesen Tag 75-Guermantes

Proust: Das Hotelzimmer in Doncieres wird bis in kleinste Detail beschrieben. Die Dinge besitzen wie der Lehnsesssel oder Teppich besitzen ein Eigenleben, weiterhin werden die verschiedenen Lagen oder Arten des Schlafes beschrieben. Und warum eigentlich, ist es so, dass wir als der  derselbe  wieder erwachen? Warum greift man unter Millionen von menschlichen Wesen die man sein könnte, ausgerechnet nach jener Persönlichkeit, mit welcher man einschlief.

Kiel:

Etwas kühler, Temperaturen zwischen 28 und 24 Grad. Der sonst menschenleere Strand in Krusendorf ist gut besucht. Wir klettern über die Steine, finden Hühnergötter und Strandflieder.

Proust lesen Tag 72-Guermantes-erneut bei der Berma-Enttäuschung

Proust: Der Stand des Adels, der Stand des Großbürgertums, der Stand des Kleinbürgertums….das Proletariat findet kaum Erwähnung.

Und immer ist da dieses Aufschauen, sich Hinsehnen zur adligen Gesellschaft.

Marcel ist wieder bei der Berma, die innerhalb eines Galaabends auftritt. Aber ihm ist die Unschuld abhanden gekommen. Er kann nicht mehr unvoreingenommen sehen, schon gar nicht wenn die Sitznachbarin, im übrigen eine erfolglose Schauspielerin, gehässig meint, die Berma solle aufhören, die sei zu alt. Das Staunen ist verlernt. Enttäuschung.

Laut Anhang ist mir hier etwas entscheidendes entgangen, denn das Publikum spielt ebenfalls ein Theaterstück und mutiert zu Unterwasserwesen. Luzius Keller verweist auf dieses Meisterstück.

Kiel: Ein so müder Tag, dieser letzte Urlaubstag. Die Melancholie fiel mich an wie ein durstiges Raubtier. Dürre. Wo kommst du denn jetzt her? Aber vielleicht zahlte ich heute auch nur die Zeche, für zwei durchwachte Nächte.

Mit dem Sohn baute ich aus einer alten Holztruhe ein Hochbeet. Wir klopften, hämmerten und bohrten. Eine riesige Blumenlaterne einst von der Kieler Woche/Krusenkoppel ersteigert, wurde des Maschendrahts entledigt, der nun in seiner neuen Funktion, die Wühlmäuse abhalten soll.

Brombeeren gepflückt, ein guter Jahrgang, schwer und süß, kündet er vom Herbst der unweigerlich kommen wird.

Die Melancholie hatte mich heute fest im Griff. Ein guter Tag, um „Wanja und die wilden Hunde“ zu lesen und sich weit weg in entlegenes Dorf in Russsland zu wünschen.

Proust lesen Tag 71-Guermantes-Francoise

Proust: Francoise wünscht sich zurück ins 6. Arrondissement oder nach Combray.  In den Anmerkungen steht, sie habe Anpassungsschwierigkeiten.

Auch Marcel wird krank und es wird viel über den Namen Guermantes philosophiert. Heute habe ich etwas bei Jochen Schmidt gespickt.

Rendsburg/Himbeerhof:

Familientreffen. Aus den einstmals schüchternen Töchtern von S. sind selbstbewusste, Motorrad fahrende junge Frauen geworden.

Wir wollen zur NordArt, Sturmböen und Gewitter ließen uns vor den Toren umdrehen.

Das Getreide wird eingefahren, es ist etwas kleinwüchsig.

Proust lesen Tag 70-Guermantes-Neue Wohnung in Guermantes-Mondfinsternis

Proust: Marcel flieht vor seiner Verliebtheit und seinemerneut aufkeimenden Stalkerdasein, zu Saint Loup nach Doncieres.

Das neue Hotel macht ihm Angst, in der Kaserne und in dem Rhythmus des Tuns findet er Ruhe, vielleicht es auch die von außen gegebene Ordnung, der sich nicht stellenden Sinnfrage, in der er Erholung findet, im Gehorsam, in der Rangordnung, im Gefüge.

Saint Loup fragt Marcel wie weit er denn mit seiner literarischen Arbeit wäre: „Und haben Sie sich schon an die Arbeit gemacht? Nein? Sie sind sonderbar. Wenn ich ihre Begabung hätte, würde ich , glaube ich von morgens bis abends schreiben. Aber ihnen macht es mehr Spaß, überhaupt nichts zu tun. Es ist wirklich Pech, daß immer solche mittelmäßigen Geister wie ich zur Arbeit bereit sind, die aber, die können wollen nicht!“

Proust: Marcel flieht vor seiner Verliebtheit und seinemerneut aufkeimenden Stalkerdasein, zu Saint Loup nach Doncieres.

Das neue Hotel macht ihm Angst, in der Kaserne und in dem Rhythmus des Tuns findet er Ruhe, vielleicht es auch die von außen gegebene Ordnung, der sich nicht stellenden Sinnfrage, in der er Erholung findet, im Gehorsam, in der Rangordnung, im Gefüge.

Saint Loup fragt Marcel wie weit er denn mit seiner literarischen Arbeit wäre: „Und haben Sie sich schon an die Arbeit gemacht? Nein? Sie sind sonderbar. Wenn ich ihre Begabung hätte, würde ich , glaube ich von morgens bis abends schreiben. Aber ihnen macht es mehr Spaß, überhaupt nichts zu tun. Es ist wirklich Pech, daß immer solche mittelmäßigen Geister wie ich zur Arbeit bereit sind, die aber, die können wollen nicht!“

Kiel/Holtenau

Mondfinsternis

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Ein Happening. Campingstühle, Sekt, Ferngläser, Kameras . Spruch am Brückengeländer: BRD, DDR, Rassisten ab aufs Mittelmeer.“

dav

Partystimmung.

Auf der Dachterasse verfolge ich später, bei einem Glas Rotwein die Aufhellung des Mondes, nicht ohne Luise vorher die Koordinaten durchzugeben, die gerade einsam auf einem Feld in der Preetzer Pampa den Mond suchte.

dav

Sternschnuppen fallen zur Erde.

Der Mars erscheint, die ISS fliegt vorbei.