Proust lesen Tag 10-In Swanns Welt -Guermantes und Meseglises-Auftritt Gilberte

Proust:

Spaziergang nach Meseglise

Man entscheidet sich am Wochenende je nach Wetterlage, ob man zur einen Seite nach Guermantes oder zu anderen nach Meseglise geht.

Spaziergang nach Meseglise:

Der Flieder schaut helmbüschig und glitzernd vom gespeicherten Sonnenlicht, neugierig über den Zaun. Die Fliederzeit geht bereits zu Ende, Proust erwähnt, dass die Tage wieder kürzer werden. Das muss ein Fehler sein.

Ein Vogel versucht mit einem lang anhaltenden Ton die Einsamkeit auszuloten. Naiv wirkende Heckenrosen, Mohn der im Wind die rote Flamme aufzüngeln lässt, der Wind als Lokalgeist von Combray flüstert Neuigkeiten.

Marcel trifft Gilbert, Swanns Tochter, er verliebt sich sofort in das goldene Haar. Marcel liebt das Verliebtsein, nicht dessen Erfüllung.

Kiel:

Glühend heißer Tag, jedenfalls für Kieler Verhältnisse.

Proust lesen Tag 9-In Swanns Welt-Francoise ist Chefin in der Küche

Proust:

Francoise will ihre Vormachtstellung im Hause nicht gefährdet sehen. Neu hinzukommendes Küchenpersonal wird kleingehalten und anschließend mit perfiden Methoden hinausgemobbt.

Weiterhin ist von einem Snob die Rede, dieses Kastendenken ist mir völlig fremd. Keine besonders aufregenden Seiten heute, dafür hatte das reale Leben jede Menge zu bieten.

Kiel:

Die Hunde liegen im Schatten, vom See her tönen Kuckucksrufe, in der Konifere sitzt eine Taube und gurrt.

I

Proust lesen-Tag 6-In Swanns Welt-Schauspielerinnen

Proust:

Der Erzähler ist vom größten Glück erfüllt, wenn er einen Blick auf die Schauspielerinnen backstage erhaschen kann. Er spricht von einem Glück ähnlich dem Verliebtsein. 

Dann gibt es da noch diesen Onkel der sich mit ihnen trifft.

Durchschaubar sind nur die Charaktere in Büchern, im wirklichen Leben erhaschen wir stets nur unsere Sicht auf die Person, ein großer Teil ist unsichtbar und wird durch eigene Interpretationen ergänzt. Interessanter Gedanke. Proust lesen ist schwierig und sehr spannend.

Kiel:


Sommersatte Mattigkeit liegt über der Stadt. Der Apfelbaum ist am Verblühen, der Flieder auch, dafür leisten Mohnblumen nun dem Rotklee Gesellschaft.

Proust lesen Tag 4 -In Swanns Welt-Madeleine

Proust:

Anhand eines Stückchen Madeleine, versinkt Proust in einem Erinnerungsflashback, ähnlich ( in der Intensität, aber positiv)  einer traumabedingten Erinnerung, die man lebt wenn sie aufsteigt. Er versucht an dieses Erlebnis anzuknüpfen. Jochen Schmidt vermutet, dass jene Erinnerung vermutlich das ganze nächste Kapitel, bzw. die ganzen sieben Bände gebiert.

Weiterhin die kranke Tante Leonie, die ausschließlich liegt und das Leben am Fenster liegend an sich vorbeiziehen lässt. Hypochondrie als Zeitvertreib.

Hamburg/Altona:

Ich erkunde die Bücherhallen im Mercado, durchstreife die Seitengassen, trinke Cappucino, schaue in die ausgeliehenen Bücher.

Altona ist toll, schrill, bunt, lebendig.

Erst spät am Abend schlage ich wieder im Vorort auf, noch ist es warm, Duft von Flieder.

Proust lesen-Tag 1-In Swanns Welt S. 1-20-Mein Ausgangspunkt am Beginn der Recherche-Zufallsfund und dessen Bergung ohne Abitur und Hamsterradalltag-Erinnerung an Combray

Proust:

Die ersten zwanzig Seiten Proust: Marcel wacht kurz nachdem er eingeschlafen ist auf und ist desorientiert. Die Kerze wird mit einem Zündholz wieder angezündet, in der Ferne das Fauchen eines Eisenbahnzuges, Erinnerungen die ihn mal zur Großmutter nach Combray, mal zu altdeutschen Sagen führen. Mich beschäftigt beim Lesen die Reformation, Karl der Fünfte und ob der Erzähler Marcel Proust selbst ist. Kann ich den Erzähler Marcel nennen oder muss er namenlos bleiben?

Schönste Beschreibung: Unverletzliche Einsamkeit.

Das Proust Projekt beginnt. Ich werde die Suhrkamp Ausgabe von 1975 von Eva Rechel-Mertens lesen.

Diese fand ich einst bei uns im Keller. Zusammen mit den Buddenbrooks  fristeten die Klassiker ein lichtloses Dasein.  Dem Gatten hielt ich sie kopfschüttelnd unter die Nase. Er behauptete überzeugend, nicht der Eigentümer dieser Schwergewichte zu sein. Es klärte sich nie auf. Ohne diesen Kellerfund wäre ich vermutlich nicht auf die Idee gekommen, mich an diesen Mammutroman heranzuwagen.

Ein wenig Wind in der Stadt, das Gekreisch der spöttelnden Möwen.

Pappelschnee wickelt sich um maigrüne Blätter, Pusteblumenfelder, ein kleiner Admiral fliegt mir vor die Füße. Die Kastanien stehen in voller Blüte.

Am Abend bringe ich die „Blumenwiesensaat“ für Bienen aus. Sie sollen den im Vorgarten blühenden Rotklee ablösen. Ein Bienenvolk im Garten, das könnte ich mir auch vorstellen.