Sonntag mit Einparken, Malina und anderem

Um 6.00 aufgewacht. Der Körper will Regelmäßigkeit.

Den dicken schwarzen Wollpullover übergestreift, die Straße heruntergegangen um das Auto umzuparken. Zu dieser Zeit gibt es Parkplätze.

Keine Zuschauer. Das ist das Beste. Im Vorort war das Rangieren keine Fähigkeit die benötigt wurde. Hier, mitten in der Stadt sieht das anders aus. Es kostet mich drei Anläufe bis das Auto rückwärts seitwärts steht wo es stehen soll. Eine Möwe mit schräg geneigten Kopf beobachtet das Manöver -skeptisch-vielleicht. Interpretationssache.

Final zufrieden das Fahrzeug am neuen Standort begutachtet, zur Wohnung hochgelaufen, Kaffee gebrüht, das Erklärwerk zu Malina in die Hand genommen.

Ich will verstehen. Den Roman und meine Faszination an diesem Text.

Das Denken ist nicht möglich. Nicht um diese Uhrzeit. Erschöpftes Gehirn.

Vielleicht gibt es einen Film. Gibt es. Sonntagmorgenfrühstück mit tschetschenischen Pfannkuchen und Geburtstagskuchen von Jana.

Morgende die so beginnen sind gut Nahezu perfekt.

Kirchturmglocken, Möwen Gelächter.

Außer Malina auf die Spur zu kommen ist nichts geplant an diesem Tag. Ein paar Anrufe vielleicht, die Schuhe einlaufen und abends zur Operngala.

Sonntag.

Dienstag mit Malina v. Ingeborg Bachmann und dünner Luft – eventuell temporär

Wage zu behaupten, das intensivste Buch der letzten Jahre gelesen zu haben.

Es ist jetzt unter der Haut.

In den frühen Morgenstunden lese ich den letzten Satz:

Es war Mord.

Und sonst?:

Man kann das Haus wieder verlassen. Die Hitze legte sich. Der stetige Feueralarm verstummte. Potsdam bevor es an die Ostsee zurückgeht.

Ich denke: wir haben keinen Ort mehr. Jedenfalls ist keiner für mich vorstellbar. Das verschiebt die Ebenen.

Alexander Carmele: hast du eine Idee, welches Buch auf Malina folgen könnte?

Ich habe es ganz nach oben gehoben. Dort wo die Luft dünn wird. Jetzt kann es nicht mehr atmen.

“ Was hast du in den Jahren danach erreicht?(legato) Nichts. Zuerst nichts.

Dann habe ich angefangen, die Jahre abzutragen. Das war das schwerste, weil in mir diese Zerfahrenheit war, ich habe nicht mehr die Kraft gehabt, auch nur die Akzidentien meines Unglücks wegzuräumen. Weil ich an das Unglück nicht herangekommen bin , war so viel Nebensächliches zu beseitigen, Flugplätze, Straßen,Lokale, Geschäfte, bestimmte Gerichte und Weine, sehr viele Leute, alles mögliche Gerede und Geschwätz.

In der Hauptsache aber eine Fälschung. Ich war ganz verfälscht.“

„Malina“ v. Ingeborg Bachmann

Samstag mit Sommer- Tag 6- und Malina von Ingeborg Bachmann

Holunder ist im Verblühen.

Ligusterhecken verströmen ihren Duft, die Wiesen sind gemäht. Der Kuckuck ruft nicht mehr. Im Vorgarten blüht Fenchel, reifen Erdbeeren.

Noch einmal kann ich die Küche, die ich seit Monaten nicht mehr nutzte, bewohnen. In die Essecke stelle ich Rosen und Farn . Ich bereite Lasagne und Salat, Schmorgurken gefüllt. Die Borretschblüten verleihen dem sommerlichen Gerichten eine eigene Note .

Am Tisch unterhalten wir uns über Lou Andreas Salome und ob es möglich ist, dass Frauen und Männer befreundet sein können.

Diese Frage warfen die Mädchen in die Runde und baten Julius um seine Meinung.

Intensive Tage

Literatur: Tellkamp: es gibt nicht mehr viel zu sagen. Das Buch zerfällt in einen großartigen Teil, der stilistisch nahtlos am Turm anknüpft und den ich sehr gern gelesen habe, der andere Part bereitete mir Mühe, war oft sehr vereinfacht, kein Lesegenuss, eigentlich überall dort wo das Buch Ereignisse ab 2015 benennt – fällt es ab. Oder ich mag den Stil einfach nicht. In meinen Augen, hätte es dem Buch gut getan , sich in zwei Bücher aufzuteilen.

Malina; ich habe jetzt mit Malina von Ingeborg Bachmann begonnen.

Und sonst: dritte Woche Krankschreibung, seit gestern geht es bergauf.