Proust lesen Tag 74-Guermantes-zu Besuch in Doncieres

Proust: Marcel flieht vor seiner Verliebtheit und seinemerneut aufkeimenden Stalkerdasein, zu Saint Loup nach Doncieres.

Das neue Hotel macht ihm Angst, in der Kaserne und in dem Rhythmus des Tuns findet er Ruhe, vielleicht es auch die von außen gegebene Ordnung, der sich nicht stellenden Sinnfrage, in der er Erholung findet, im Gehorsam, in der Rangordnung, im Gefüge.

Saint Loup fragt Marcel wie weit er denn mit seiner literarischen Arbeit wäre: „Und haben Sie sich schon an die Arbeit gemacht? Nein? Sie sind sonderbar. Wenn ich ihre Begabung hätte, würde ich , glaube ich von morgens bis abends schreiben. Aber ihnen macht es mehr Spaß, überhaupt nichts zu tun. Es ist wirklich Pech, daß immer solche mittelmäßigen Geister wie ich zur Arbeit bereit sind, die aber, die können wollen nicht!“

Kiel:

Haben auf Gewitter gehofft, aber es fiel nicht ein einziger Tropfen Regen. Der frisch gepflanzte Klimabaum ist verdorrt, die Wässerung der Stadt kam zu spät. Auf dem Sportplatz ist der Rasen braun.

Die Brombeeren sind erntereif und herrlich im Geschmack, auch der Wein scheint zu gedeihen, von den Äpfeln ist dieses nicht zu erwarten. Der Apfelbaum lässt alle Last fallen

Proust lesen Tag 57-Im Schatten junger Mädchenblüte- Balbec-Abendessen bei Bloch

Proust:

Balbec ist ein Ort in dem sich die  verschiedenen Gesellschaftsschichten mischen. 

Saint Loup und Marcel sind zum Abendessen bei den Blochs eingeladen.

Bloch Junior ist alles was Marcel nicht ist, unverschämt, laut, draufgängerisch, vulgär, ungenau, inkompetent, prahlerisch. Aber auch literarisch gebildet.  Zum anderen zeigt er offen, was Marcel verbirgt, das Streben seine eigene Kaste zu verlassen, aufzusteigen.

Blochs Großonkel , Nissim Bernard, hat das was in Vater und Sohn Bloch angelegt ist, im vollem Umfang zur Verfügung. Er ist eine Art Münchhausen, eine Karikatur. 

Man begegnet sich, so schreibt es Proust, aber sieht die Welt von der jeweiligen Stufe auf der man sich befindet oder man gibt vor bereits auf einer viel höheren Stufe zu stehen.


Ich frage mich, ob ich mir nicht ein Werk zumute, das ich zu bewältigen nicht in der Lage bin. Ich weiß, dass mein Verstehen rudimentär ist und das sich Schätze heben ließen, wenn man das Rüstzeug dazu hätte.

Vermutlich warte ich deshalb die ganze Zeit auf Albertine, von der ich nicht sehr viel mehr weiß, als das sie in Sportkleidung durch Balbec zieht, übere ältere Herren herüberspringt. Es war die Szene, in der mir beim Proustseminar etwas wie Schuppen von den Augen fiel.

Nie wäre ich darauf gekommen, das Albertine einen neuen Menschentyp ankündigt, eine neue Zeit.

Falls jemand also Kenntnis hat-von einem Seminar, einem Lesekreise, Begleitlektüre….

Und danke Gerda! Dein Kommentar gestern war sehr hilfreich.