— Tagebuch eines Landpfarrers

Man wird wohl kaum ein ernsthafteres Gespräch führen, ohne daß auf Dunkelheiten hingewiesen würde. Worüber auch immer man nachdenkt – Gefahren werden beschworen. Auffallend, daß, mit wem auch immer man spricht, die Argumente geradezu schematisch sich wiederholen. In welcher politischen Ecke der Einzelne sich eingerichtet – was die Analyse der gesellschaftlichen Situation anbelangt, weicht niemand […]

— Tagebuch eines Landpfarrers

Ein Beitrag der mich sehr nachdenklich stimmt. Leider ist die Kommentarfunktion bei dir, lieber Landpfarrer, ausgeschaltet. So konnte ich nicht um Erlaubnis fragen. Ich gehe jedoch davon aus, dass die die Möglichkeit des Teilens gewollt ist.

Uniformierung in Aussehen, Konsum, Denken- warum strebt der Mensch dahin Schaf in der Herde zu sein. Bequemlichkeit? Verführbarkeit?

Dienstag mit „Der große Gatsby“

Die Drei wollen für Filme nicht zahlen.

Übrig bleibt umsonst “ Der große Gatsby“. „Fitzgerald“ , sage ich. Nicht schlecht, wenn man das kennt. Allerdings bin ich nie über die ersten Seiten hinausgekommen.

Zuviel Party. Wir könnten schauen warum dieser Roman zum Kanon gehört.“

Wie erwartet:

Wir quälen uns mit diesem Film. Zuviel Party wie gehabt. „Hat was von Faserland “ sagt Anna. Ich stimme ihr zu. Die Langeweile derer die alles erreicht haben. Vermeintlich.

Auch nach dem Film bleibt das Fragezeichen für mich bestehen. Was hat diesen Roman zu einem der ganz Großen gemacht?

M. nach Jahren getroffen. Beim Einkauf auf dem Parkplatz. Neu: Gespräch über Trennungsmodelle.

Nestmodell.

In zwei Tagen ist mein Turn. Ein Dorf wird Emigrationsdomizil. Das fahrbare Haus wird überführt. Ich werde einen Laptop benötigen.

„Sie kampieren auf ihren Unterschieden.“ Sloterdik schreibt, dieses wäre eine französische Redensart.

Erinnerung an gestern: Ein Fahrrad in gelb hängt am Basketballkorb. Feuchtwarmes Wetter. Schwere Luft.

Ich glaube nie vollständig, täusche aber vor es tun. Ich sichere mich durch Hintertüren ab.

Nebengedanken am Morgen.

Sonntag mit Urteil

Der Karakatschan ist krank. Er liegt den Tag auf dem Sofa herum. Ich bin ans Haus gebunden, verlasse nur zum einkaufen die Höhle.

Julius hatte „Django unchained“ vorgeschlagen. So finden wir uns auch an diesem Tag gemeinschaftlich vor dem Fernseher wieder.

„Ihr kennt diese Filme alle drei und ich wundere mich, dass ihr mir nie davon erzählt habt. Da ist mir ja was entgangen.“

„Du hast nie zugehört, wenn wir darüber erzählt haben“, sagt Julius. „War alles Schrott für dich.“

„Anna schaltet sich ein: „Früher war es schlimmer. Ich hab das Gefühl sie verändert sich.“

„Weißt du noch noch dieser Shitstorm bei den Tributen von Panem?“ Das sagt Karla. „Du hattest darüber geurteilt ohne es gelesen zu haben.“

Es stimmt, ich hatte diese Lektüre damals verboten. Hatte nur kurz reinschauen wollen und war dann das Wochenende mit den Büchern abgetaucht.

Ich drücke die Stopptaste. „Ich finde , und das sage ich in einem beleidigten Unterton, dass ich sehr wohl in der Lage bin meine Meinung zu revidieren.

Die Drei nicken. Ja das wäre prinzipiell richtig, manchmal würde es jedoch helfen sich erst ein Urteil zu bilden, wenn man ausreichend recherchiert hätte.

„Aber bewegt ihr euch nicht auch in euren Blasen“, frage ich. „Oder kommt einer von euch auf die Idee Max Frisch oder Peter Handke zu lesen?“

Karla zeigt auf das Passmann Buch. „Also „Alte weiße Männer“ war doch schon mal ein Anfang. „

Wir unterhalten uns noch lange über dieses und jenes, über das Ende von Shutter Island. Den Film den wir am Vortag sahen. Während Karla und ich der Meinung sind, dass die Erinnerungen manipuliert wurden, sind sich Anna und Julius sicher: der Protagonist ist Insasse der Heilanstalt gewesen.

Der Karakatschan ist krank. Er bekommt magenschonendes Futter und genießt das das Rudel beieinander ist. Ich verlasse die Höhle kaum.

Samstag mit Hans Hansen und Albertine

-x. Im Haus kehrt Ruhe ein.

Das Zerreißen zwischen den Polen-vorbei. Der Karatkaschan kommt zur Ruhe. Das Rudel ist, wenn auch nicht vollständig, so doch wieder überschaubar. Nur noch ein Lagerplatz.

Ich lese Tonio Kröger von Thomas Mann. Es ist die Stelle, in der Hans Hansen das Hotel mit Ingeborg betritt. Blond, blauäugig, lebendig, glücklich.

Die „Kleine Schar“ von Proust drängt sich in mein Bewusstsein.

„Die Frau eines alten Bankiers hatte für ihren Mann einen Faltstuhl ausgesucht, der zum Deich hin ausgerichtet und durch den Musikpavillon vor Wind und Sonne geschützt war. Nachdem sie sich vergewissert hatte, dass er gut untergebracht war, ließ sie ihn allein, um wie gewohnt eine Zeitung für ihn zu kaufen, aus der sie ihm vorlesen wollte… Die Tribüne des Pavillons bildete über ihm ein natürliches, verlockendes Sprungbrett, auf dem die älteste der kleinen Bande ohne Zögern Anlauf nahm; und sie sprang über den zu Tode erschrockenen Greis hinweg, dessen Strandhut ihre flinken Füße streiften, zum großen Jubel der anderen. ‚Der alte Knabe, der tut mir aber echt leid, der ist ja schon halb verreckt‘, sagte eines der Mädchen mit heiserer Stimme und halb ironischer Betonung.‘“ (Deutschlandfunk 2014)

Das Herannahen eines neuen Menschentypus, so interpretierte es damals im Seminar jemand. Proust der den aufkeimenden Nationalsozialismus an dieser Stelle vorwegnahm. Vielleicht.

Hier in Tonio Kröger ist es eher die Sehnsucht nach dem Einfachen, der Leichtigkeit, Dazugehörigkeit.

Und sonst? Eine Zeit in der ich neuen Impulsen nachgehe. Filme sehe, die ich bisher für mich ausgeschlossen hatte: z. Bsp. Shutter Island, Inception -genial. Die Kinder und ich saßen bis in die frühen Morgenstunden zusammen.

Der Punkt geht an dich, y. Leonardo Di Caprio ist tatsächlich ein begnadeter Schauspieler.

Dienstag mit Stellplatzsuche, Wohnungssuche etc. in Kiel und Umgebung

In Kiel und Umland gesucht

Noch einmal nutze ich den Blog, um eventuell neue Ideen zu finden.

Ich suche für jede zweite und vierte Woche im Monat (von Freitag bis Freitag) eine Möglichkeit unterzukommen. Dabei möchte ich ungern irgendwo ein Zimmer mieten. Am liebsten wäre mir ein Wohnwagenstellplatz, ein Dauercampingplatz in der Nähe oder eine bezahlbare Einzimmerwohnung (illusorisch ich weiß).

Außerdem suche ich für mich einen Bulli, aber der ist im Moment nicht so dringend:)

Dienstag mit “ Darwin schlägt Kant“

Lese Urbaniok.

Lese Urbaniok, in der Küche.

In der Küche lese ich, um den Karakatschan im Auge zu behalten
Auf seinem Hochstand im Garten trotzt er Wind, Regen und Kälte.

Das Schützenmüssen bei Nacht scheint ihm in die Gene geschrieben.

Es ist Nacht. Es ist sein Job. Er kann nicht anders. Ab und an jault er einer am Tor entlang schlendernden jungen Hundedame hinterher. Das Fortpflanzungsprogramm läuft immer standby. Böen werfen sich gegen Wände.

Lese in der Küche bei Funzellicht, nebenan erarbeitet Karla am Telefon englische Lektüre.

Lese auch Adorno: Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.

Hab mich eingeschrieben im Sommersemester . Endlich.

Freitag mit Bekassine und Reiseplänen

Am Wegrand war ich zu Keks gegangen. Sie hatte sich schnüffelnd auf etwas fokussiert was mir entgangen war. Braunschwarze Federn. Ich hob sie auf, bis zu ich zu dem Vogel gelangte.

Ein großer Vogel mit ungewöhnlich langem Schnabel. Später stellte er sich als (mutmaßlich) Waldschnepfe heraus. Leider tot. Die Krähen warteten bereits in den Bäumen.

Und sonst: Plane eine Reise im Sommer, wenn Corona es denn zuletzt. Bukarest, Budapest, Prag.

Ich:

„Ich trainiere in unfertigen Hallen.“

„Das Beste was du in Übergangszeiten machen kannst, ist ausharren und lernen.“

(Aus: „Nicht sterben“ von Terezia Mora)

Aber: Ich werde nicht noch weitere sieben Jahre die Herde hüten, thats for sure. Steiniger Weg hin oder her

„Ich bin gerade erst losgegangen“

„Ich weiß nicht“, sagt mein Fahrlehrer, „aber am besten fährst du, wenn du völlig übermüdet bist. Immer wenn du sagst, du hast nur drei Stunden geschlafen, läuft es wirklich gut. Im ausgeschlafenen Zustand ist dein Energieniveau zu hoch.“

Ach U. , wie lange ist das jetzt her? Acht Jahre? Nach jeder Fahrstunde brauchtest du eine Packung Kinderschokolade, zur Selbstbelohnung überlebt zu haben.

Ein Jahr etwa: dann hielt ich den Schlüssel in der Hand, um einen Teil meines Lebens wieder zur Entfaltung zu bringen. Du musst unglaublich zugenommen haben in dieser Zeit.

Ich löse die Handbremse.

Bukarest, Budapest, Prag,

„Ich bin gerade erst losgegangen.“ (Satz von Tereza Mora: nicht sterben)

Alternatives Narrativ

„Aus der Höhle kommen und überleben, nicht irgendwie sondern in einer neuen Qualität. Der Bestien draußen und drinnen Herr werden.

Handlungsfähig werden.“

Aus : “ Nicht sterben“

Frankfurter Poetik Lesungen von Terezia Mora

Morgenrot über dem See.