Donnerstag mit Moritz und Wolf

Fast ist diese Woche geschafft
Ich bin jeden Morgen gegen 6.00 Uhr in eisiger Kälte aufgewacht, habe völlig übermüdet Feuerholz geholt, den Kamin entzündet. Erst dann gab es den Kaffee. Anderes Haus andere Rituale

Im Garten finde ich zwei Grabsteine, Beide beziffern ein Datum in den dreissigern. Moritz würde nur 6 Jahre alt, bei Wolf lässt es sich nicht mehr entziffern.

Eine Zeit stehe ich fragend davor.

‚ Die Dackel vom Förster damals“, sagt M.

Die Geschichte dieses Hauses wüsste ich gern.

Ich muss nun Sachen packen.

Mittwoch mit inaktiven Mandelkern

Geschlafen. Alles steht und fällt mit dieser Statusmeldung.

Wir haben eine Wohnsitzlösung gefunden. Danke an die die geholfen haben. Und danke als Wort ist hier wenig aussagekräftig für das was ich empfinde, ohne die Möglichkeit zeitweise außerhalb des Hauses zu wohnen, würde alles wohl sehr viel schwieriger sein.

Der Mandelkern im Gehirn scheint auf stumm geschaltet zu sein. Ein Gefühl von Kraft und Kälte, seltsam

Ein Rotkehlchen badet in der Vogeltränke. Ich nehme mir vor dem Rotkehlchen im ehemaligen zu Hause auch eine Tränke zu bauen.

Was mir zu Gute kommt: dass mein Herz nicht an materiellen Geschichten hängt. Zum Glück war und ist das weitgehend unbedeutend für mich. Selbst Bücher haben ihren Reiz verloren. Überlege entweder Auto oder E-Bike abzuschaffen.

Dienstag mit Nachtigallg

Gegen 3.00 Uhr begann die Nachtigall zu singen

Nachgedacht, nicht geschlafen.

Auch über die Zeit in der ich Karla in Hamburg begleitete.

X. war praktisch zwei Jahre alleinerziehend gewesen, mit Anna und Julius. Da hat er den Rücken freigehalten.. Auch bei anderen Sachen.

Ich täte trotzdem gut daran, zu einem anderen Zeitpunkt nachzudenken. Ohne Schlaf wird es langsam mühsam. So jetzt Feuer machen. Und Kaffee, Gott sei gedankt für den Kaffee

Montagmorgen

Das Feuer in Gang zu bekommen ist die erste Aufgabe des Tages. Soll es gegen 7.00 Uhr warm sein, muss ich loslegen. Das Holzscheit ist zu gross, ich Versuche es wieder und wieder. Wildgänse ziehen.

5.59. übermüdet. Warum ich seit Tagen nicht schlafen kann, entzieht sich meinem Verständnis. Ich gehe hinaus in die morgendliche Kühle Feuerholz zu holen. Die Wetter App zeigt ein Grad. Die Vögel singen trotzdem
Das Haus noch in Winterstarre beginnt sich zu rekeln. Eine arbeitsreiche Woche die da vor mir liegt. Im Garten streunt eine fremde Katze Ein neuer Tag

Freitag

Die Menschen die am Haus vorbeigehen halten oft einen Coffee to Go in der Hand. Wahrscheinlich holen sie sich links vom Haus den Kaffee um nach rechts zur Arbeit zur gehen.

Eine Kohlmeise baut sich ihr Nest aus bunter Wolle.

Nachdem es gestern bis in die Nacht dauerte bis ein gemeinsamer vorläufiger Plan stand, schlief ich ein. Endlich.

Tief, traumlos.

Der neue Morgen: Es gibt keine Dusche, aber warmes Wasser. Kein Survivaltraining, nur die Wärme ist ein Problem und das fehlende W-Lan Netzwerk zu dem ich keinen Zugang bekomme.

Doppelresidenz. Ich werde mich raffen müssen heute, das Nichtstun hat ein Ende. Nur noch einen Kaffee , bevor ich ins Homeoffice wechsle. Homeoffice ohne Home und W Lan, dafür mit Stille . Vermutlich wird word vorerst ausreichend sein müssen.

Nach dem Tauchgang

Für Magda

“ Windstille. Sonnenschein. Ich schwamm unter Wasser. Und als ich zwanzig Jahre später wieder auftauchte, stellte ich fest, dass ein Unwetter ausgebrochen war, ein brodelnder Aufruhr, und ein wütender Sturm peitschte Wellen über mir auf.

Das Leben bricht auseinander. Wir versuchen es in die Hand zu nehmen, versuchen es zusammenzuhalten.

Wenn die Liebe Sprünge bekommt, dringt die Nacht ein. Und die dauert endlos. Sie ist voller zorniger Gedanken und Vorwürfe, und die quälenden Selbstgespräche verstummen auch nicht, wenn es hell wird. Das ist für mich eigentlich das Schlimmste: das meine Gedanken quasi beschlagnahmt werden.“

Ich dachte klar und fokussiert. Mit fünfzig, in einem Alter, in dem angeblich die Knochen ihre Robustheit verlieren, wurde ich körperlich stark. Ich hatte Energie, weil mir nichts anderes übrig blieb.“

Aus : Was das Leben kostet von Deborah Levy

Samstag mit Eilnachrichten

Der Samstag ist anders, in Dunkelheit und Kälte gehüllt. Im Licht des fahlen Halbmondes füttere ich die Vögel. Meine Güte ist das kalt.

Der Gatte und ich sind zur Jagd verabredet.“ Punkt halb“ acht Edeka , sagt er.

Es ist so wie man es sich vorstellt, hektisch, voll, der Überlebenstrieb aller ist stark. Ich lächle einer älteren Dame unter meiner FFP 2 Maske zu. Sie wurde gerade von einem Einkäufer angemacht. „Nicht ärgern“, sage ich zu ihr, „lohnt die Aufregung nicht. Er hat das Problem nicht sie.“ Ihre Augen lächeln. Sie wünscht mir Frohe Ostern.

Wir verladen Zuchini, Kurkuma, Inger, Gurken, Tomaten, Cashewnüsse in den Bulli. Und alkoholfreies Bier.

Ermattet nehme ich mir zum Frühstückstisch die „Frankfurter Rundschau“ mit. Ein Beitrag über einen Urlaub auf einem fremden Balkon in Berlin und einem der sich einen Tag lang in den Wald setzte um einen Quadratmeter Boden zu beobachten.

Das Handy brüllt mir eine Warnung vor Merkels Megalockdown entgegen. Eine weitere Eilnachricht ruf: Aldi würde ab jetzt schon 21.00 Uhr schließen. Ich habe sie satt diese Eil und very wichtig Nachrichten. Man kann das Gefühl bekommen, dass das nie aufhören wird.

Meine Mutter fragt, wie wir Norddeutschen das machen würden. „Was?“ frage ich? Das die Inzidenzen so gut sind.

„Weiß nicht, vielleicht halten wir uns mehr an die Regeln als ihr Rebellen im Osten.“ Mein ironisches Lächeln wird nicht übertragen. Ich lese Embrace.