Erster Donnerstag im April mit Pfadfinderlager und anderen digitalen Freizeitbeschäftigungen

Der Morgen beginnt mit einem Artikel aus „Der Zeit“ zur Thematik der jetzt unsichtbar gewordenen Kinder und der Sorge darum

Zum gestrigen Tag: Anna ist digital auf Pfadilager und baute eine Jurte aus schönen Seiten.

Karla ging erst zum Gesangsunterricht(digital) und hatte anschließend Chorprobe über Zoom. Funktionierte dieses Mal.

Ich war über Stunden am PC, las ein wenig in Maja Lunde und beobachtete die Vögel. Ein braunes kleines Finkenvögelchen ist seit gestern zur Vogelhausclique dazu gestoßen.

Wildgans benannte gestern in ihrem Blogbeitrag den Blog von Ortheil.

Danke Wildgans für diesen Tipp!

Fünfter Dienstag im März mit Isolationsspeck

Morgens quäle ich mich aus dem Bett. Ich fühle mich ungesund, fett, schwer. Leider täuscht der Eindruck nicht. Die Waage sagt: „Zwei Kilo mehr meine Liebe und das bei 85kg. Disziplin ist offenbar nicht deine Stärke.“ Glauben sie mir, dieses Mistvieh von einer Waage kann sprechen. Ich bin genervt, koch mir Cappucino und füge pflanzlichen Süßtoff (Werbung) hinzu. Stevia in Cappucino ist Folter und eklig. Nützt nichts, ich kann das nicht so lassen mit dem Gewicht, nicht nur weil es optisch stört, sondern weil meine Leber das nicht verträgt. Der letzte Check ergab eine nichtalkoholische Fettleber, ehrlich die braucht kein Mensch. So jetzt wissen sie´s. Ich trinke seit Monaten keinen Tropfen Alkohol, nicht einmal das kleinste Glas Rotwein, fragen sie mich nicht, welche Kasteiung das bedeutet, ich liebe Rotwein. Es gibt immer eine Lösung, ich bin auf Zucker umgestiegen. Nun kaue ich genüsslich vegane Gummibärchen (eigentlich sind die für Karla weil Vegetatierin), Bonbons, Kokosschokolade und Eis. Natürlich nur als Zugabe, also neben Frühstück, Mittag und Abendbrot. Ich esse dauerhaft, also nie viel , eher wie so eine Kuh auf der Weide. Die Struktur ist weg und ein ungeschriebenes Gesetz lautet: Am Schreibtisch wird gearbeitet und gegessen. Essen kommt zuerst.

Warum ich diese Fettleber erwähnt habe, angeblich hat die ja jeder Dritte in Deutschland, ist das Buch welches ich in zwei Wochen besprechen werde. „So kriegt die Leber ihr Fett weg“. Da gibt es einen 14 Tage Plan, intuitiv essen kann ich anschließend immer noch.

Gestern haben die Teenies mit ihren Vater Siedler gespielt, zwei Freunde waren per Skype zugeschaltet. Beeindruckend fand ich mit welcher Normalität das einherging.

Ich bin nun doch weiter im Homeoffice, der Kühlschrank ist voll.

Es gäbe andere Dinge über die zu schreiben wichtiger wäre, Orban und Ungarn zum Beispiel, was ist nur aus meinem Ungarn geworden? Aber über Ungarn schreibe ich vielleicht ein anders Mal.

Fünfter Montag im März mit „Faust“

Gestern statteten wir auf Grund von Annas Bitte, dem Thalia Theater einen digitalen Besuch ab. Früher in der Hamburger Zeit, strich ich manchmal sehnsüchtig um das Theater herum. Es passte nie in den Zeitplan, „Vor dem Fest“ hin oder her.

Heute wird Faust 1 gestreamt. Anna meint man könne die Zeit nutzen, in der Oberstufe käme es so sicher dran wie das Amen in der Kirche.

Wir erläutern kurz worum es geht, der Vorhang öffnet sich. Julius hat Burger für die ganze Familie gemacht.

Es geht los: Schnell gesprochen, man kommt nur schlecht hinterher, Die Inszenierung ist zu weit vom Original entfernt. Sie eignet sich nicht zur Einführung. Was wir brauchen ist Faust for Beginners. Das Theaterstück wird 24 Stunden online sein, das reicht um Gründgens vorzuziehen und anschließend Teile dieser Thalia Aufführung zu sehen (Faust als ausgebrannter Lehrer ist schon eine witzige Idee).

Wir wechseln zu Gründgens.

Sehen sie einmal eine grandiose Aufführung aus den sechzigern, unterbrochen mit Werbung aus den 2020zigern in Zeiten von Corona. Ein surrealer Mix. Später als die Teenies schon im Bett sind suche ich im Netz nach „Faust für die Jugend“ und finde diese virtuelle Ausstellung. Ich war noch lange unterwegs..

Angela Merkel bittet um Geduld, ich finde das logisch, stecke aber nur zu einem Teil in der Haut derer die ihr Leben als Selbstständige bestreiten. P. aus Bayern sagt, bei ihr ginge es ganz klar um die Existenz. Sie hat eine kleine Werkstatt für Glas und Keramik.

Ich werde jetzt zur Arbeit fahren. Hinaus in das nordische Mistwetter. Und wenn ich nach Hause komme, werde ich mit Ubu und Keks durch das nordische Wetter laufen und genießen, dass die Flaniermeile wieder begehbar ist. Ich werde die aufnahmen aus dem Vogelhäuschen auswerten. Gestern waren neben Kohl und Blaumeisen, Sperlingen und Rotkehlchen auch Amsel und Drossel zu Gast.

Noch später werde ich Maja Lunde lesen, ein wenig, dann modern family schauen, Faust und den Teenies die Ausstellung zu zeigen. So wird der Tag oder vielleicht wird er auch ganz anders. Wer weiß das schon?

„Die Notaufnahmeschwester“ von Ingeborg Wollschläger

Ab und zu hatte ich auf ihren Blog „notaufnahmeschwester“ hineingeschaut. Die skurrilen Geschichten waren es, die mich Interesse an dem Buch anmelden ließen.

Eigentlich müsste man mit dem Ende beginnen. Der Moment in dem die Notaufnahmeschwester (Ingeborg Wollschläger) nach dreißig Dienstjahren ihren Koffer packt.

„Ich kündigte. Es fiel mir nicht leicht. „

„Vielleicht muss der Pflegekarren mal so richtig an die Wand gefahren gefahren werden, bevor sich was tut in Sachen Überlastung und Unterbesetzung.“

„Ich wollte nicht mehr in -halten sie sich fest- 34 verschiedenen Schichten arbeiten.“

Ich möchte hier nicht weiter zitieren, all die Gründe benennen, man liest im Moment täglich darüber. Das Buch findet nach einem Feuerwerk urkomischer Geschichten ein müdes und desillusioniertes Ende. Dreißig Jahre voller Großschadensereignisse und Bagatellbeschwerden, vom alkoholisierten Draufgänger mit 400 Euro in der Socke bis zum Schlaganfall. Doch nicht nur die Patientenvielfalt macht es spannend. Spannend sind auch die Kollegen, die Praktikanten, die „Reinigungsperlen“, der Alltag.

Und es gibt einige traurige Geschichten, dort wo man die Grenze zwischen Leben und Tod betritt, wo nicht mehr zu helfen ist.

Ein lockerer Ton zu ernsten Themen mitten im Wahnsinn Klinikalltag bzw.Notaufnahmealltag. Man zieht unwillkürlich seinen Hut. Ein Buch was sich in der momentanen Situation noch einmal anders liest.

Es hat mich zum schmunzeln gebracht, aber vielmehr noch besorgt hinterlassen. Denn man sieht jetzt wie fatal es ist, wenn dort gespart wird wo nicht gespart werden darf, wenn Gesundheitssystem und Wirtschaft eine unheilvolle Allianz eingehen.

In Zeiten wie diesen, bedeutet der Wahnsinn für das Pflegepersonal auch mit Covid 19 Infektion arbeiten zu müssen und Mindeststandards würden aufgehoben, so las ich.

Zurück zum Buch:

Ich spreche eine klare Leseempfehlung aus.

Ich danke dem Randomhouseverlag für das Rezensionsexemplar.

Vierter Donnerstag im Monat-die Idylle ist vorbei

Wenn am Morgen schon der Cappucino aufgebracht ist, nachdem ich in der Nacht von fürchterlichen Träumen geplagt wurde. Kann nicht gut werden, so ein Tag. Liegt vielleicht daran, dass ich Daniela Krien vorm einschlafen gelesen habe: Muldental. Gutes Buch, aber so hoffnungslos verloren, lähmend, da kann noch nicht mal Faserland mithalten. Und Faserland war schon so depressiv, dass ich kurz davor war, die Schule zu bitten, dass Buch umständehalber aus dem Programm zu nehmen. Was man in diesen Zeiten braucht ist doch Ermutigungsliteratur! Ermutigungsliteratur, ich hab früher immer so Sachen gelesen, wie „Timur und sein Trupp“, „Wie der Stahl gehärtet wurde“ und „Verflucht und geliebt“. Allesamt Geschichten die sich um Heldenpersönlichkeiten rankten.Da hat man gar keine Wahl mehr, als selbst der Krise oder den widrigen Umständen die Stirn zu bieten.

Sie wollen nicht wissen was ich gelesen habe? Sie wollen wissen warum die Idylle vorbei ist? Ich erzähle es nicht, nur so viel: der Streit war beträchtlich. Das ist so wie mit Weihnachten, man kann sich da immer fragen ob der Ausnahmezustand sowieso schon vorhandene Sollbruchstellen zum Vorschein bringt oder ob er neue schafft. In der nächsten Woche bin ich nicht mehr im Homeoffice und wissen sie was: Ich bin froh drum. Ich hätte gern einen Ermutigungsbeitrag geschrieben, aber man soll ja bei der Wahrheit bleiben. Und an einem Morgen, nach von Alpträumen schwerer Nacht, ohne Cappucino zu starten, zu wissen, dass der Störfall von gestern keinesfalls behoben ist, vergessen sie es. Wird nichts mit Ermutigungsbeitrag.

Aber die gute Nachricht: Die Kirschbäume blühen, die Meisen haben ihre Meisenknödel, die Sonne scheint. Alles wird gut.

Vierter Sonntag im März mit Dachbodenfund 42 mal Bach

Keine Ahnung warum der Gatte die besonderen Dinge immer besonders gut versteckt. Ich beobachtete gerade die Vögel am Vogelhaus und las Maja Lunde, da stellte er mir diesen Karton hin. „Schau mal was ich gefunden habe. „

Zweiundvierzig CD`s von Bach. Eine ähnliche Dimension, wie damals der Kellerfund mit „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Proust und „Buddenbrooks “ von Thomas Mann.

Vielleicht würde aus diesem Tag doch noch etwas werden. Die Vögel hatten das neue futter nicht angenommen, ich würde Kokosfett zufügen müssen. Und überhaupt. Die Nacht hatte ich schlaflos verbracht. Warum auch immer.Angst war es nicht. Die fehlt mir im Moment gänzlich. Warum auch immer.

Ich geh trotzdem nicht feiern, aber raus in die Natur an unbelebte Plätze gehe ich schon. Der Wald hier ist nicht unbelebt. Heerscharen von Familien frequentieren ihn. Ruhe findet man in der Stadt.

Der dritte Donnerstag im März mit Posten und Löschen und natürlich mit Covid

Ihr seht es am Posten und Löschen, die schwierige Situation des Umgangs mit dem Covid 19 geht auch an uns nicht vorbei.

Ich kann aber eine schöne Nachricht vermelden. Nach einem langen Gespräch mit Anna und auch allen anderen Familienmitgliedern hat hier der Prozess der Annahme eingesetzt. Anna wird den Job nicht annehmen.

Die Wochen des social distancing werden kein Spaziergang, das ist allen klar.

Dritter Mittwoch im März mit brütenden Graureihern und Einengung der Grenzen

Update: Ab morgen haben wir noch striktere Regeln. Kein Besuch, auch nicht zum Joggen.

Der Tag ist wie vernebelt. Beständiger Sprühregen, diesiges Einheitsgrau, kühl.

Büroarbeit.

Später lese ich“Faserland“. Uff. Da sehnt sich einer aus seiner übersättigten Welt in Quarantäne bzw. Isolation. Also Ausgangssperre durch Wetter auf einer nordischen Insel. Mit Isabella Rosselini und Kindern.

Der Wunsch nach Isolation. Beschämt gestehe ich mir den Wunsch ein, dass ein machtvolles Wort von Ganz Oben die Dinge richten würde. Diskutieren sie mal mit Teenagern über Besuch, Joggen gehen etc.. Und Unsere geben sich echt Mühe. Aber natürlich fragen sie sich auch wozu sie drin bleiben sollen, wenn Opa es bewusst nicht tut. Hier im Vorort erscheint es seh

Andererseits gibt es Familien mit erheblichen Herausforderungen. Für diese wäre eine Ausgangssperre heftig. Wir werden nicht drum herum kommen den Freiraum noch drastischer einzuschränken.

Die Teenies joggen, spielen Klavier, hängen ab. Alle sind den Umständen entsprechend gut gelaunt. Die Klassenfahrt ist noch am Beginn. Ein Telekommitarbeiter verlegt Kabelanschluss, versiert, ruhig, umsichtig.

Dem Gatten die Reiherinsel gezeigt. Sie brüten sagt er, und jetzt wo er das sagt, sehe ich die Horste auch.

Ein wenig Haushalt, ein wenig Faserland. Der kleine T. hat eine Lungenentzündung. Getestet wurde er nicht. Die Eltern sind zu recht besorgt.

Plagen-Camus-und nein-ich glaube nicht an Verschwörungstheorien

„Plagen sind ja etwas Häufiges, aber es ist schwer, an Plagen zu glauben, wenn sie über einen hereinbrechen. Es hat auf der Welt genauso viele Pestepidemien gegeben wie Kriege. Und doch treffen Pest und und Krieg die Menschen immer unvorbereitet wie unsere Mitbürger.“

„Von daher muss man auch verstehen, dass er zwischen Beunruhigung und Vertrauen hin und her gerissen war. Wenn ein Krieg ausbricht, sagen die Leute: „Das wird nicht lange dauern, das ist doch zu dumm.“

„…anders gesagt sie waren Humanisten: Sie glauben nicht an die Plagen. Eine Plage ist nicht auf den Menschen zugeschnitten, daher sagt man sich, dass sie unwirklich ist, ein böser Traum, der vorübergehen wird.“

Aus „Die Pest “ von Albert Camus

Anmerkungen: Langes Telefonat mit einem älteren Herren, der den ganzen Spuk für Panikmache hält, trotzdem Kaffee trinken geht und sich dann beschwert , dass mit trockenem Besen gekehrt wird.

Unverständnis über geschlossene Tafeln, Kinder in ungünstigen Verhältnissen die ihren Eltern jetzt ausgeliefert sind…

Tenor: es gibt keine Plagen, Die Pharmaindustrie ist der Gewinner.

Mein Fazit sieht anders aus: Ich glaube weder daran, dass Coronaviren aus dem Labor kommen, noch glaube ich Wodarg, noch hänge ich einer Weltverschwörungstheorie an. Ich halte das ganze nicht für Panikmache, glaube nicht, dass es von anderen Themen ablenken soll. In diesem Sinne.