Übung 4 Nachtrag-der Vater

Papa

Der babbelt mit niemande mehr.

Merkwürdig überdimensioniert wirkt der Nachbar auf seinem metallenen Krankenhausbett.

Geruch nach Desinfektion. Stickig. Schwer. Wo ist die Mandelblüte?

Ich lege meine Hand auf deinen Handrücken. Bleich und wächsern, kühl wie ein gebrochener Flügel. Du warst immer voller Kraft.

Geschlossene Lider.

Kind

Du ringst nach Luft.

Gäbe se ihm Sauerstoff mit de Schlauch, sagt die Krankenschwester. Vielleicht könne se ihn füttern. Du würdest nicht mehr zu dir nehmen, sagt sie und bringt eine Frikadelle. Du würdest eigentlich auch nicht mehr sprechen. Er will nimmer, sagt sie.

Können sie die pürieren? Er hat keine Zähne im Mund.

Eis!

Nach dem Essen okay?

Du sagst etwas. Ich verstehe es nicht. Ohne Zähne, ohne Luft.

Frau R.? Sie ist tot.

Du schüttelst den Kopf. Sag noch mal.

Frau R. wartet da oben auf dich? Mit Bratpfanne? Kriegst du auf den Kopf?

Ja vielleicht, sage ich. Hast mich halt immer zu spät abgeholt. Und zur Strafe gibt es süßsauer eingelegten Kürbis wirst sehen.

Du isst.

Der bettnachbar zeigt sich beeindruckt.

Wir haben uns Jahre nicht gesehen.

Frau R. betreute mich. Ich zeigte mich zu schwächlich für die sozialistische U3 Gemeinschaftserziehung. Und auch später im mutterlosen Jahr. Die Betreuung. Eine skurrile alte Dame in Dederonschürze die mit ihrer Mutter zusammenlebte in einer winzigen Plattenbauwohnung. Andere Geschichte.

Wo kommense denn her? Der Bettnachbar fragt. Ich muss Eis holen, sage ich entschuldigend.

Im Gang der junge Arzt der mich an M. erinnert. Wie lange noch?

Nicht mehr lange, aber eine Prognose kann ich nicht geben.

In den Fluren auf dem Weg zur Eistruhe dieser pfälzische Dialekt.

Ich war nie im Pfälzer Wald

Übung 5- der Vater

Empfindest du Schuld, wenn dich ein Arzt oder eine Ärztin, jung wie dieser, behandelt.

Ich empfinde Schuld. Alles in mir ruft Taterkind- das ist die Schere. Deine Schuld, die zu meiner wird und meine Liebe zu dir. Und ich sehe wie dieser junge Arzt mir zuschaut vom Flur aus, während ich dich füttere.

Hast du dir angesehen wo sie die Jahre verbrachten, die sie bessern sollten? Heilen sollten vom falschen Gedankengut? Genesen sollten von Wünschen nach einem freien Leben. Ich habe es gesehen.

In der Nacht träumte ich das du in meinen Armen starbst, weil ich es gewagt hatte dich an die Öffentlichkeit zu ziehen. Du

Du sprachst von Verrat. Eine Absurdität

Freitag mit dem Geist des Vaters

Die Katze klagt, wie jeden Tag.

Karla kannst du bitte nach oben zum Bücherregal gehen?

Ich habe es aphabetisch geordnet. Pron, irgendwo neben Proust und …

Hab es!

Wenn ich beginnen würde, dann vielleicht an diesen Tag im Mai. Kalter Dauerregen an dem ich anderthalb Stunden im Regen stand, weil es mein Arbeitsplan so vorsah.

Es war der Tag an dem sich mein Vater der vor zwei Jahren verstorben war, wieder ins Gedächtnis brachte. Von daher: Pron passt.

Donnerstag mit Zimmer

Es zwingt zu bleiben.

Isolation.

Auf Zuruf wird Cappucino gestellt oder Colorado Haribo vor die Tür gelegt.

Paradisisch. Vollkommener Service.

Klavierspiel, Küchengeklapper.Nichts geht mich etwas an. Es erfordert kein Tun.

Winziges Zimmer. Gehen unmöglich.

Geht es dir gut?

Alles gut!

Soeben Ayn Rand’s Atlas shrugged beendet. Merkwürdig wie ein Buch so abfallen kann.

Mit „Der falsche Deutsche“ von Podhostnik begonnen. Mag es .

Vertraute Materie: sozialistische Fastfood Ketten, Adorno, ( zumindest die Minima moralia hab ich gelesen)

Kenne Adorno ebenso gut wie Schubert- -kaum.

Cuba – Erzählungen. C. 70 mit ihrer Cubssehnsucht, Che Guevara an der Wand, Sehnsuchtserzählungen, Philosophie studiert, dann das ganze Leben(ausser in Cuba) in den Bunawerken gearbeitet.

Asoziatives Denken. Analyse liegt mir nicht.

Kannst dich frei testen ruft Anna durch die Tür . Montag!

Karla spielt Chopin